Old- oder Newschool? Spielt das eine Rolle?

Old- oder Newschool? Spielt das eine Rolle?

Mir sagte mal ein alter Freund, es gibt für jeden Biker das richtige Bike und für jedes Bike den richtigen Biker. Wenn das stimmt, sind wir alle Biker (siehe auch Bist du ein echter Biker?), solange wir die richtige Einstellung und die Leidenschaft fürs Motorradfahren teilen und uns mit der Szene – oder im New School Slang der Community – verbunden fühlen. Und das gilt unabhängig von der Leistung deines Motorrads, der Marke, oder dem Alter.

Bist du Old- oder New School?

Angeregt durch einen Artikel den ich auf einer anderen Website gelesen habe, fragte ich mich kürzlich, warum ich mich eigentlich als Old School Biker sehe und was der Unterschied zur New School genau ist. Ich treffe mich gerne mit Bikern aller Altersgruppen, auch wenn ich es am meisten genieße mit diesen knorrigen Typen an einem Tisch zu sitzen, die schon 40 Jahre oder mehr Motorrad fahren. Ich mag es die Geschichten von den großen alten Clubs zu hören, ihren Treffen, oder den ersten deutschen Choppern in den 60ern und 70ern, als es noch fast unerschwinglich war eine Harley nach Deutschland zu importieren. 

Die Basis waren damals oft Bausätze mit japanischen Motoren (…kennt ihr noch AME?) oder Umbauten auf Basis von BSA, Norton und BMW. An denen wurde in den frühen Tagen oft einfach längere Gabeln, hohe Lenker und Sissybars montiert, ohne das sich jemand Gedanken über das Fahrverhalten gemacht hätte. Hauptsache das Bike sah zumindest so ähnlich aus, wie die Captain America von Peter Fonda aus dem Film Easy Rider. So ganz TÜV-konform waren wohl die wenigsten, aber das hat auch keinen ernsthaft interessiert.

Ich selber war damals noch nicht der große Chopper Fan. Die Dream-Bikes meiner jungen Jahre waren die hochdrehenden Zweitakter von Yamaha aus der RD Serie, die ich vermutlich alle mal gefahren bin, egal ob luftgekühlt, LC oder YPVS. Ich liebte damals den Geruch und das Geräusch der „Motorsägen“, die – entsprechend getunt – gerne mal die 10.000er Marke auf dem Drehzahlmesser überschritten haben. Und die dann ebenso gerne die Kolben oder andere bewegliche Teile der völlig überzüchteten Motoren sprengten und sich regelmäßig selbst zerlegten.

Das hat sich bei mir erst Anfang der 90er geändert, als ich eher zufällig bei Freunden den Film „Harley Davidson und der Marlboro Mann“ sah und mich sofort für die Black Death 3, eine 1989er Low Rider FXLR, von Mickey Rourke begeistert habe.

OK, also doch kein so richtiger Old School Biker? Und wenn das so ist, was habe ich verpasst?

Macht das Bike den Unterschied?

Im Moment fahre ich eine ältere BMW 1100 GS, einen der ersten 4-Ventiler Boxer mit dem uncharmanten Szene-Namen „Kuh“ (besser „Q“) und um ehrlich zu sein ist sie ziemlich hässlich. Aber sie hat Qualitäten die mir wichtig sind. Trotz ihres Gewichts fährt sie sich leicht wie ein Fahrrad und lässt mich nichts von ihren gut 250 Kg merken, wenn sie erstmal in Bewegung ist. Und sie macht bei fast jedem Wetter Spaß, daher hat meine Saison auch immer 12 Monate.

Aber vor allem hat sie einiges nicht. Sie hat zwar ABS und Kat, aber sonst nur ein paar LEDs und ein Display, dass an ein Nokia Handy der ersten Stunde erinnert – und das ist auch gut so. Keine elektronischen Helferlein, einfach nur tanken und losfahren, geht oder geht nicht. Hin und wieder braucht sie etwas Pflege, aber eine Macke die irgendwo in der Elektronik sitzt und am Straßenrand nicht mit dem recht simplen Bordwerkzeug repariert werden kann, wird es bei diesem Bike so schnell nicht geben.

Was ist daran „Old School“? Das fängt für mich mit genau so einem Bike an. Dazu nimmst du dir ein paar Klamotten, eine Decke, packst dir eine Rolle und fixierst die irgendwie am Bike. Kein großes Theater. Keine große Planung, einfach los fahren. Abfahrt am besten früh morgens im Sonnenaufgang und dann abends bis rein in den Sonnenuntergang. Dann vielleicht noch irgendwo ein Lagerfeuer und ein paar Dosen Bier. Die Decke wird zum Bett unter den Sternen und liegt direkt neben deinem Bike. Ich habe das rückblickend viel zu selten gemacht und habe bis heute großen Respekt vor den Bikern, die gelegentlich noch so leben.

 …und was ist dann New School?

Die New School? Für mich sind das die meist jüngeren Biker mit ihren moderneren Bikes und mehr digitalen Gimmicks. Inzwischen sogar gelegentlich – wenn auch noch sehr selten – ein Bike mit einem Elektromotor. Vielleicht sogar eine LiveWire?!
OK, das ist zwar nicht mein Style, aber was ist denn so anders? Am Ende fahren doch alle aus den gleichen Gründen. Und auch die Biker der New School sprechen nach meiner Erfahrung meist respektvoll von den Alten, wie Steve McQueen, Peter Fonda und Dennis Hopper, auch wenn sie die Filme nicht komplett kennen und sich nur die Schlüsselszenen auf YouTube angeschaut haben. Die nächste Generation eben.

Vielleicht ist das die wesentliche Erkentniss. Wenn wir fahren ist bei uns allen der Kopf frei, das Gefühl beim Fahren ist das gleiche und wir haben auch oft die gleichen Vorbilder und Helden. Was auch immer dich zum Biker macht, wer auch immer du bist und was auch immer du fährst. Old oder New School. Es ist egal. Mach einfach, lebe dein Leben und bleib du selbst. Denn das ist das Leben – und es ist kurz. Ride on.

Old- oder Newschool? Spielt das eine Rolle?

von | 2021-01-09 | Biker & Friends, HOT bei O4AR

Bildquellen

  • Kuh und 13 bei Sonnenuntergang am Maschsee: © https://www.out4ari.de・OUT 4 A RIDE

Über den Autor

Glori

Torsten Glorius (aka Glori) ist seit über 40 Jahren Motorradfahrer und bezeichnet sich selbst als Oldschool Biker. Er ist in den 70/80ern in Hannover aufgewachsen und fühlt sich in der Biker-Szene zuhause. Glori steht auf Scrambler und Reiseenduros ohne viele digitales Gedöns und ausgedehnte Solo-Touren. Seit seiner Jugend träumte er von einem eigenen Motorradmagazin und seit Mai 2020 ist er Herausgeber von OUT 4 A RIDE. Er schreibt vorwiegend für das Ressort Szene, als gelernter KfZ-Techniker aber gelegentlich auch für Technik & Touren. Noch Fragen? Dann schreib eine Email an glori@out4ari.de.

2 Bemerkungen

  1. Jürgen

    Das spielt meiner Meinung nach keine Rolle – denn ob High-Tech oder Pur-Mechanik, der Wind, der Dir um die Nase weht, bleibt immer der gleiche 😉

    Griass – Jürgen von http://www.motorprosa.com
    Hi-Techer (mit Zero SR/F) & Old-Schooler (mit Ducati 748)

    • Glori

      Ohne Zweifel! Aber seit ich die rote Pille genommen habe ist meine Welt voller IT, daher ist Motorradfahren meine Zeit für Digital Detox… 😉