Events 2020 – Ein Rückblick

Events 2020 – Ein Rückblick

Events 2020 – der Anfang von OUT 4 A RIDE

…und wieder ist ein Jahr vergangen. 2021 ist da und inzwischen auch schon wieder ein paar Tage alt. Zeit für einen Rückblick auf die schönen Erlebnisse und Events 2020 mit O4AR. Davon gab es durchaus einige, auch und gerade im Jahr der Corona-Krise.

Ende Mai 2020 ist OUT 4 A RIDE, das Magazin von Bikern für Biker gestartet. Schnell, fast überhastet, haben wir uns entschlossen unsere Planung, in der wir den Start für Herbst vorgesehen hatten, über Bord zu werfen und uns zusammen mit der Biker-Community dem Bundesrat entgegen zu stellen. Dort hatte man mit dem Entwurf 125/20 das Thema Verkehrslärm mit dem medienwirksamen Titel Motorradlärm überschrieben und die Biker in einem scheinbar bürgerfreundlichen, aber verfehlten verkehrspolitischen Maßnahmenkatalog lärmgeplagten Wählern zum Fraß vorgeworfen.

Um richtig verstanden zu werden: Das einige Motorräder recht laut sind ist ebenso unstrittig wie die Tatsache, dass es Strecken gibt, auf denen das Verkehrsaufkommen für die Anwohner zur Belastung wird. Das dafür Fahrverbote und Streckensperrungen die Lösung sein sollen und zwar pauschal für alle, ist nicht nachvollziehbar. Völlig egal also ob du ein nach StVO zugelassenes Bike fährst, oder einen getunten Wuthocker bei dem eine Brülltüte ohne DB-Killer montiert ist. Das ist nicht korrekt und nach deutschem Recht so auch nicht zulässig.

Fahrverbote und Streckensperrungen sind die „ultima ratio“, also die letzten Maßnahmen, wenn es sonst keine anderen Möglichkeit mehr gibt. Das ist richtig und sollte auch so bleiben. Schließlich stellen sie einen massiven Eingriff in die Freiheitsrechte dar und sind nicht ohne weiteres und „mal eben so“ mit der Deutschen Verfassung vereinbar.
Leider ist die Politik inzwischen bei Ihrem Vorgehen nicht mehr sehr zimperlich, was die Rechtmäßigkeit Ihrer Handlungen angeht. Das kann man an der Häufigkeit, in der Gesetze in der Corona Krise von den Gerichten gekippt wurden, unschwer erkennen. Ein Grund mehr darauf zu achten, dass wir unsere Rechte nicht leichtfertig und ohne Wiederstand preisgeben. Denn wenn wir die Freiheiten – die wir so ganz nebenbei dem jahrelangen Kampf unserer Eltern und Großeltern verdanken – erstmal aufgegeben haben, werden wir sie sicher nicht so ohne weiteres zurück bekommen.

Ach und bitte – jetzt soll mir keiner um die Ecke kommen und fordern, dass müsse die Biker Community schließlich auch in den eigenen Reihen klären. Seit Jahren wird gepredigt das es die Aufgabe der Polizei ist, Verstöße gegen geltendes Recht zu verfolgen und nicht Sache der Szene. Obwohl die nach meinen Erfahrungen ganz gut aufgestellt wäre um die eigenen Reihen sauber zu halten – wenn man sie läßt.

Juni 2020 – die Biker in Hildesheim und Hannover starten durch

Nach der Premiere Ende Mai erlebten die Veranstalter aus Hildesheim am 28.06.2020, bei der 2. Demo gegen Sonntagsfahrverbote, wie es laufen kann wenn man alles richtig macht. Über 4000 Teilnehmer bildeten einen gut 10 km langen Korso und fuhren von Hildesheim zum Rathaus in Hannover um ihre Interessen zu vertreten. O4AR war mit dabei, hat berichtet – und sich nützlich gemacht. Kurzentschlossen hatte ich mir – obwohl ich eigentlich nur gekommen war, um den offenen Brief an die Mitglieder des Bundestages im Rahmen der Veranstaltung an die Presse zu übergeben – eine Ordner-West geschnappt und mich an der Absicherung des Korsos auf der Strecke beteiligt.

Eine in mehrfacher Hinsicht glückliche Entscheidung, wie sich im Verlauf der Veranstaltung herausstellte.  Neben dem sprichwörtlichen Platz in der 1. Reihe bestand so die Gelegenheit zu Gesprächen mit Hannoveranern, die an der Strecke schon mal 15 Minuten warten mussten bis der Korso durchgefahren war. Neben wenig Kritik erlebte ich viel Zuspruch. Wenn die Zeit und Offenheit für eine Erklärung da war, auch bedingungsloses Verständnis und Unterstützung durch die Menschen auf der Straße. „Bitte nicht schon wieder neue Verbote!“, war ein Satz den ich mehr als nur einmal aus der Bevölkerung gehört habe.

© bg-press / Bernd Günther – bg-press.de

Besonders viel Freude hat es gemacht einige Tage nach der Demo zu hören, dass die Biker so ganz nebenbei eine hohe, 4-stellige Summe an Spendengeldern eingenommen hatten. Diese wurde nach der Deckung der Demo-Kosten vollständig für gemeinnützige Zwecke gespendet. Da merkt man, dass man in der richtigen Gesellschaft ist. Kurz danach gab es mit Unterstützung aus Hildesheim eine weitere Demo in Hannover. Und im August dann den Hattrick, also die 3. Wiederholung, in Hildesheim. Auch durch die Corona-Auflagen waren die Teilnehmehrzahlen zwar nicht mehr ganz so hoch wie Ende Juni – dennoch war die Botschaft an die Politik eindeutig und unüberhörbar.

Die Demos waren erst der Anfang

Im Zuge der Berichterstattung zu den Demos fand auch unser Online Magazin immer mehr Leser. Nur wenige Wochen nach dem Start waren 2000 Besucher pro Woche auf unserer Website keine Ausnahme mehr – und das völlig ohne Werbung. O4AR war öfter dabei, auch wenn sich rund um die Events etwas getan hat.

So gab es Ausbildungsangebote an die freiwilligen Ordner. Fahren im Korso und Erste Hilfe am Unfallort standen auf dem Programm, auch hier waren die Organisatoren der Hildesheimer Demos wieder beteiligt. Hilfe gab es auch von anderen, z.B. der MTAS Staffel, einer Gruppe von erfahrenen Tourguides, die bei einigen Veranstaltungen ehrenamtlich unterstützten.

Last but not least folgte zum Jahresabschluss trotz Lockdown die 1. Hildesheimer Lichterfahrt, mit der der Organisator Maik Kipry und andere einmal mehr zeigten, dass Biker weit mehr als ein Haufen lärmender Rowdies sind, die mit „unnötig laut getunten Motorrädern“ – so zumindest die Darstellung des Bundesrates im Entschluss 125/20 – die Bürger belästigen. Sondern vielmehr zu denen gehören, die trotz der damit verbundenen Risiken den Menschen – und besonders den Kindern – ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.
Und auch bereit sind schwere Entscheidungen mit zu tragen. So wurde die Lichterfahrt leider vorzeitig durch die Einsatzleitung der Hildesheimer Polizei beendet, da einige Besucher die Corona-Auflagen missachteten. Aber hier zeigte sich die Professionalität aller Beteiligten, die den Abbruch ebenso konsequent und verantwortungsvoll umsetzten, wie die Organisation zuvor. Chapeau Maik, nicht nur die bittere Pille hast du geschluckt, sondern schon am nächsten Tag die Vorbereitung für 2021 gestartet. Respekt.

Das auch dieses Event mit einem erfolgreichen Spendenaufruf gekrönt wurde – in diesem Fall für Kinder, die krankheitsbedingt das Weihnachtsfest in den Hildesheimer Kliniken verbringen mussten – wundert Biker und die Fans der Szene sicher nicht.

Leider konnte der Schnellstart von O4AR dem Wachstum nicht standhalten und wir mussten für einige Zeit zurück ans Reissbrett. In etlichen Nächten entstand ein tragfähiges Konzept und eine neue Plattform für unser Online-Magazin, die trotz Corona-Lockdown und technischer Herausforderungen und Verzögerungen am 1.1.2021, pünktlich um 0:01 Uhr des neue Jahres wieder Live gegangen ist.

Es gäbe noch viel mehr zu berichten, aber dieser Artikel würde wohl endlos und damit irgendwann auch langweilig. Am Ende sind da aber zwei Dinge die nicht unerwähnt bleiben sollen, weil sie für mich persönlich eine besondere Bedeutung haben:

1. Ich habe neue Freunde gefunden. Es ist schön, durch das Engagement bei O4AR viele neue Menschen zu treffen, von denen einige mittlerweile Freunde geworden sind, andere Brüder und Schwestern. Biker eben, ein Menschenschlag der in der Öffentlicheit und den Medien oft genug verrissen wird, mir aber deutlich näher steht als der ein oder andere Schlipsträger. Und ich meine damit nicht die in der Gruppe der Biker vertretenen Männer, die beruflich oder privat auch mal in einem Anzug anzutreffen sind. Letztlich gehöre ich selber dazu.

2. Ich habe in O4AR meine Passion gefunden. Gerade auch durch Corona ist mir klar geworden, wie wichtig es ist das Richtige zu tun. Das, wozu man steht. Es gibt keinerlei Garantien dafür, dass es Morgen noch ebenso möglich ist sich seinen Träumen zu widmen wie heute, keiner kann einem die Zukunft versprechen. Also mache ich das Richtige lieber gleich jetzt und setze mich auf mein Bike um das echte Leben zu „erfahren“ und davon zu erzählen. Und ein Teil davon ist OUT 4 A RIDE.

In dem Sinne ein Dankeschön an alle, die mich in den letzten Monaten unterstützt haben und die ich hoffentlich bald gesund wiedersehen kann. Auf der Strasse, auf dem Bike. Um gemeinsam Momente zu erleben, über die es sich zu schreiben lohnt.

Ride on. Glori

Events 2020 – Ein Rückblick

von | 2021-01-05 | HOT bei O4AR, Partys & Events, Politik & Gesellschaft, Redaktion

Bildquellen

  • Spendenübergabe Demo-Veranstalter 2. Hildesheimer Demo 2020: © bg-press / Bernd Günther – bg-press.de
  • Screenshot OUT 4 A RIDE 1. Version: © https://www.out4ari.de・OUT 4 A RIDE

Über den Autor

Glori

Torsten Glorius (aka Glori) ist seit über 40 Jahren Motorradfahrer und bezeichnet sich selbst als Oldschool Biker. Er ist in den 70/80ern in Hannover aufgewachsen und fühlt sich in der Biker-Szene zuhause. Glori steht auf Scrambler und Reiseenduros ohne viele digitales Gedöns und ausgedehnte Solo-Touren. Seit seiner Jugend träumte er von einem eigenen Motorradmagazin und seit Mai 2020 ist er Herausgeber von OUT 4 A RIDE. Er schreibt vorwiegend für das Ressort Szene, als gelernter KfZ-Techniker aber gelegentlich auch für Technik & Touren. Noch Fragen? Dann schreib eine Email an glori@out4ari.de.

2 Bemerkungen

  1. Patricia Tiemann

    Euer Statement finde ich super, hatte Freude die 10 Punkte zu lesen und fühlte mich wieder verstanden. Gut, dass sich in diesem Portal vernünftige Biker treffen können, gemeinsame Reisen erleben können, sich austauschen und gemeinsam kämpfen.

    • Glori

      Hey Patty, Danke – und herzlich willkommen bei O4AR! Ride on. Glori